Impfpflicht Abstimmung

Seit 24 Monaten hält uns Corona auf Trab. Es nervt. Ganz ehrlich. Kunst, Kultur beschnitten, Essen gehen und sich auf ein Bier treffen ist nicht mehr ohne weiteres möglich. Um 22:00 ist Schluss, Sperrstunde. Dazu die Unsicherheit ob die Kinder in den kommenden Tagen und Wochen sowas wie einen normalen Unterricht haben, der damit einher gehende Bildungsverlust ist evident. 

Okay, also es nervt. Alles aufmachen, weil es so nicht mehr auszuhalten? Aus meiner Sicht ist das keine gute Idee. Und das sehe nicht nur ich so, das sehen auch so gut wie alle Expert*innen so. „Aber Omikron…“, höre ich dann recht oft. Ja, eh Omikron hat weniger schwere Fälle, befördert weniger Menschen auf die Intensivstation. Aber Omikron ist auch ansteckender als die Varianten davor, und damit sind mehr Menschen gleichzeitig betroffen. Das wiegt den vermeintlichen Vorteil wieder auf, wenngleich auch anders als bisher. Denn jetzt füllen sich eben nicht die Intensivstationen, sondern vor allem die Normalstationen. 

Wir hätten da ein gutes Mittel der Wahl um in der Pandemie mehr Normalität als aktuell zu bekommen. Die Impfung wäre dieses Mittel der Wahl. Die Impfstoffe sind zugelassen, sind sicher, es gibt ein engmaschiges Kontrollnetz. Wir sehen, dass die Impfstoffe gut wirken, wenngleich nicht so wie wir das vielleicht erhofft und gewünscht haben. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert, auch klar, wie ich finde. Die Impfstoffe stellen keine so genannte „sterile Immunität“ her. Sie sorgen also nicht dafür, dass andere sich nicht mehr anstecken können. Sie sorgen aber dafür, dass schwere und intensivpflichtige Fälle verhindert werden, und das mit einer bemerkenswerten Effizienz. Bei Delta wurde diese Effizienz von der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) mit 95% in einer Studie beziffert. Internationale Studien sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Bei Omikron wiederum deuten die Zahlen auf eine Effizienz von 70% bis 75% gegen solche Fälle hin, wobei hier aber nicht 2 Impfungen wie bei Delta reichen, sondern eine 3. Dosis – der so genannte Booster – von Nöten ist. 

Aber es trifft ja eh nur die Alten und Bladen und Ungesunden. Warum soll ich impfen gehen?
Jein, es mag stimmen, wenn wir uns die Zahlen der Hospitalisierungen ansehen, und die der Verstorbenen. Und wir kennen die Risikogruppen ganz gut. Warum also nicht einfach sagen, dass wir nur diese impfen und alle anderen nach dem Prinzip Freiwilligkeit? Zum einen, weil das Virus mutiert (ist), und sich damit die Voraussetzungen ändern. Bei der Grundvariante ist man noch von einer ausreichenden Durchimpfungsrate von 60% ausgegangen, bei Delta haben wir gesehen, dass diese nicht ausreicht. Omikron ist eine gänzlich neue Situation. Es macht also durchaus Sinn im Sinne einer bestmöglichen Prävention auf eine hohe Immunisierung zu setzen, auf eine Population die bestmöglich auf ein Virus vorbereitet ist. Wir wissen aus mehr als 200 Jahren Impfen, dass sich ein Virus anders verbreitet, ein anderes Infektionsgeschehen in einer vorbereiteten – also immunisierten – Population an den Tag legt. Das Infektionsgeschehen wird um einiges gedämpft, ein Effekt, der wiederum all jenen zugutekommt, die eben nicht geimpft werden können, die darauf angewiesen sind, dass ein Virus nicht durch die Gesellschaft durchfährt. Das sind die tausenden Menschen, die sich in diversen lebenserhaltenden Therapien befinden, die vielen tausenden Menschen, die eine Allergie gegen Inhaltsstoffe der Impfung aufweisen. Es geht um tausende Immunsupprimierte und all jene, die gerade eine Organspende erhalten haben. Diese Gruppen sind mehr als alle anderen auf ein gedämpftes Infektionsgeschehen angewiesen. Und das kann auch diese Impfung schaffen. Noch dazu, wo geimpfte Personen zwar ansteckend sein können, es aber deutlich kürzer für andere sind. Und noch dazu, wo es genügend Evidenz dafür gibt, dass geimpfte andere geimpfte Personen viel seltener anstecken als ungeimpfte andere ungeimpfte Personen.

Woher also dann diese Ablehnung gegenüber der Impfung? Woher also diese Abwehrhaltung? Ich persönlich glaube, dass es 3 Arten von Ablehnung gibt:
Die einen, die Impfungen per se ablehnen, und in ihnen etwas Schlechtes für ihren Körper sehen. Vielleicht sogar noch der abstrusen Theorie, dass Impfungen Autismus auslösen anhängen oder gar der Meinung sind, dass wir mit Impfungen den Menschen wichtige Erfahrungen verwehren, weil sie nicht mehr krank werden können.

Dann gibt es in meiner Wahrnehmung die Gruppe all jener, die kein Vertrauen in die neuen Impfstoffe haben, die mRNA als neue Technologie wahrnehmen (obwohl es diese seit gut 30 Jahren gibt) die Angst macht oder Skepsis hervorbringt. Da gehören all jene auch hinein, die auf einen „Totimpfstoff“ warten, die durchaus nichts gegen Impfen als solches haben, aber eben kein Vertrauen haben, weil man ja dort und da die eine oder andere Geschichte gehört hat.

Die dritte Gruppe aus meiner Sicht ist jene, die von vornherein jede Vorgabe des Staates aus Prinzip ablehnen. Für die ist die Pandemie eine Abschätzung von persönlichen Risiken, und es geht sich für diese Gruppe aus, dass sie sich nicht schützen will und muss, weil es ja in der individuellen Risikoabschätzung gute Chancen für ein Durchkommen ohne Probleme gibt.

Ich glaube die zweite benannte Gruppe ist nicht nur die größte, sondern auch jene mit der man diskutieren kann und muss. Das ist jene Gruppe, in der es nicht grundlegenden Widerstand gibt, und wo es um Evidenzen, Zahlen, Daten und Fakten geht. Auch wenn hier oftmals Meinung und Evidenz miteinander verwechselt werden, wenn eine Evidenz nicht durch bessere widerlegt wird, sondern einfach angezweifelt wird. Ich glaube, nein ich bin mir sicher, dass es hier Diskurs und Austausch braucht, dass man in einem entsprechenden Setting auf Augenhöhe miteinander redet. Aber dazu gehört es auch Evidenzen anzuerkennen. Etwas anderes ist es mit den anderen beiden Gruppen. Die eine ist maximal egoistisch, geht aus einer reinen „Ich-Perspektive“ heraus in eine Ablehnung, die andere Gruppe maximal in einer Extremposition einbetoniert, die auch wissenschaftlich nicht haltbar ist. 

Ich habe in den letzten Wochen extrem viele Mails bekommen, die mich aufgefordert haben gegen die Impfpflicht zu stimmen. Mails mit teilweise sehr persönlichen Stellungnahmen, mit Meinungen und Ansichten aus allen drei oben beschriebenen Antrieben heraus. Ich habe mich trotzdem für die Impfpflicht ausgesprochen. Nicht weil ich das gerne mache, nicht weil ich die Impfpflicht als ein Herzensprojekt von mir erachte. Nein, im Gegenteil habe ich ehrlich gesagt lange mit dieser Idee gehadert. Und doch habe ich dafür gestimmt, weil sie in der Pandemie die viel zitierte „Ultima Ratio“ ist. In meiner Rede am 20.01.2022 zum Thema habe ich „Faith No More“ mit „It´s a dirty job but someone´s got to do it” zitiert. Und dazu stehe ich auch: eine Liebesentscheidung war es weder für mich noch für meine 22 anderen Kolleg*innen an diesem Tag. Es ist eben eine Notwendigkeit, weil wir vor allem in der 4. Welle tagtäglich vor Augen geführt bekommen haben, welche positiven Auswirkungen eine hohe Impfquote auf das Pandemiegeschehen hat. Ja, die Impfung hat auch in Gibraltar, Spanien, Dänemark oder Portugal die Inzidenzen nicht deutlich gesenkt. Aber die Impfung hat in diesen Ländern (die ja gerne als Beispiele herangezogen werden) dafür gesorgt, dass weniger Menschen im Verhältnis auf der Intensiv gelandet sind. Ein guter Grund für eine Impfung, wie ich finde, wenn es darum geht das Gesundheitswesen und vor allem die Mitarbeiter*innen in ebendiesem vor einer möglichen Überlastung zu schützen.

Die Impfpflicht, die wir nun eingeführt haben, ist nicht so starr und so unbeweglich, wie wir sie zu Beginn andachten, sondern ist ein Rahmengesetz mit der Möglichkeit die notwendige Flexibilität durch Verordnungen zu erreichen. Die Impfpflicht ist so konzipiert, dass auf epidemiologische Notwendigkeiten reagiert werden kann. So wie das Virus mutiert und sich ändert, so kann auch die Pflicht angepasst werden. Ein Aspekt von enormer Wichtigkeit. Es ist auch nicht das Ziel der Pflicht möglichst viele Menschen zu strafen oder ihnen auf die Nerven zu gehen. Daher gibt es auch die 3 Phasen der Impfpflicht, bei denen die erste Phase aus meiner Sicht die entscheidendste sein wird, weil in der geht es darum ohne Strafen Menschen zu überzeugen und dazu zu bringen sich impfen zu lassen. Für eine der 3 oben genannten Gruppen haben wir da auch Angebote: andere Impfstoffe, die auch zugelassen sind, Infos, Fakten und Diskurs. Für die anderen beiden Gruppen wird dieses Angebot aber leider nicht reichen, befürchte ich.

Geht bitte impfen. Ganz einfach.
Impftermin ausmachen geht am einfachsten unter https://www.oesterreich-impft.at

Alle Infos zur Sicherheit der Impfstoffe findet ihr auf der Website des BASG (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen) unter https://www.basg.gv.at

Meine Rede vom 20.01.2022 zur Impfpflicht könnt ihr auf Youtube nachsehen.

Meine Rede zur Impfplicht am 20.01.2022

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