Warten auf den Bus

Stell dir vor: du bist Verantwortlicher in der achtgrößten Stadt Österreichs. In der Stadt, in der du Verantwortung über hast, leben gut 60.000 Menschen, die Stadt ist ein absoluter Anziehungspunkt für Menschen aus der Region, weil hier ihre Arbeitsplätze sind, weil hier Einkaufsmöglichkeiten sind oder weil einfach Infrastruktur vorhanden ist. Infrastruktur wie ein Sportpark samt modernem Fußballstadion.

Der Sportpark ist neu gebaut, relativ modern, spielt so ziemlich alle Stückeln in dieser Größe und dieser Ausstattung. Die Idee ist es nicht nur regelmäßig Spiele oder Veranstaltungen hier zu haben, sondern auch unter der Woche den Teams der verschiedenen Sportarten Trainingsmöglichkeiten zu bieten. Das Ganze ist natürlich nicht mitten in der Stadt, sondern am Rand, klar. Und gleich um die Ecke von deinem neuen Sportpark kommen noch ein paar andere Einrichtungen wie ein Kindergarten oder eine Berufsausbildungsstätte dazu. Das Areal wird dadurch noch interessanter und noch leichter nutzbar. Ein paar Firmen sind auch noch in der näheren Umgebung. Das hat alles das Zeug zu einem neuen kleinen Stadtrandzentrum.

Und: weil sich ja immer ein paar in deiner Stadt über den real nicht vorhandenen öffentlichen Personennahverkehr aufregen, bist du sogar so weit, und baust gleich ein schönes Wartehäuschen vor den Sportpark, inklusive Umkehrschleife. Alles perfekt, braucht sich niemand mehr von den ewig nörgelnden Grünen drüber beschweren, oder? Doch die fangen schon wieder zu nörgeln an. Immer das selbe, oder?
Vielleicht deshalb, weil nach gut 4 1/2 Jahren bis heute kein einziger Linienbus bei dem Wartehaus stehen geblieben ist, und dort Kinder die zum Training wollen oder Besucher eines Heimspiels der örtlichen Fußballmannschaft oder des Baseball-Teams aussteigen zu lassen. Und es ist vermutlich bis heute niemand vom benachbarten Ausbildungsbetrieb „FAB“ hinter einem gerade vor der Nase wegfahrenden Bus hinterher gerannt, geschweige denn dass Leute von der gegenüberliegenden Freilaufhundezone gerade ihrem Wuffi den Maulkorb rauf gegeben haben, um in den Bus einsteigen zu können.

Warum? Ganz einfach: weil kein Bus zu dieser Hütte hinfährt. Ganz schlicht und ergreifend. Der Grund dafür ist so absurd, dass man es eigentlich nicht glauben möchte: die Kreuzung in die Zufahrtstrasse ist ungeregelt, und ermöglicht es dem Bus nicht in angemessener Zeit heraus zu kommen. Hat man nicht bedacht. Hat wahrscheinlich die linke Hand nicht mit der rechten gesprochen oder so. Anders ist es mir nicht erklärbar. Ebenso ist es nicht erklärbar, warum das Problem innert 4 1/2 jahren gelöst wird. Auf gut deutsch: baut man die Kreuzung um, dann wäre das Problem gelöst. Vielleicht mit einer Ampel, die gesteuert werden kann – also bei der ein wartender Bus dafür sorgen kann, dass diese auslöst. Aber so gibt es eben keinen Bus dorthin. Ist wohl billiger, und Öffis sind der Welser Politik offenkundig eh Wurscht (so wie Fahrradverkehr es offensichtlich auch ist, außer man kann ein nettes Photo mit dem Radl für eine Zeitung schießen).
Absurd? Ja, definitiv absurd. Übrigens: im Stadtsenat sitzen neben der FPÖ auch die ÖVP und die SPÖ. Nur für den Fall, dass hier wieder jemand so tun will, als ob es in Wels nur die FPÖ gäbe (auch wenn der Output der Politik das so erscheinen läßt).

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