U2 Zooropa

Wow, was für eine Platte. Ich habe mir „Zooropa“ damals bei Erscheinen des Albums auf CD gekauft. „Numb“ war die Single, hat mich irgendwie fasziniert, nicht wirklich los gelassen. Vor allem das seltsame Video in dem The Edge gefesselt wird, der sonore, eintönige Singsang mit der U2-üblichen Falsett-Stimme beim Refrain, die eigenmütig anmutende verzerrte Gitarre. Alles das hat mich damals dazu gebracht das ganze Album zu kaufen. Der Vorgänger „Achtung Baby“ gab mir zudem Vertrauen in den Kauf, ich erwartete mindestens die selbe Qualität, mindestens ein derart großartiges Album.

Und was bekam ich? Ein seltsam anmutendes Album. Bereits der Anfang – „Zooropa“ mit dem Satz „Zooropa, Vorsprung durch Technik“ ließ mich innerlich erschaudern. Was habe ich da gekauft? Wo sind die eingängigen Riffs? Wo der Aufruf zur Revolution? Warum keine klassische Rock-Nummer? Und trotzdem: ich konnte nicht mit dem Hören aufhören. Nach „Zooropa“ (das je länger es dauerte immer hörbarer wurde) kam „Babyface“. Ja, das war schon eher das, was ich erwartete. Aber eben auch nicht. „Numb“, „Lemon“, „Stay (Faraway, so close!)“. Alles in allem nicht das was ich mir erwartet hatte. Und dann dieses strange „Daddy´s gonna pay for your crashed car“, das mit einem seltsam anmutenden klassischen Instrumentalstück anfing (dieses stammte übrigens von der UdSSR-Platte „Lenins favorite songs“). Ich kam trotz allem nicht davon los, hörte mir das ganze Album in einem Stück an. Beim letzten Song – „The Wanderer“ – dachte ich mir nur „Diese Stimme, diese Stimme kenne ich.“. Okay, die Stimme kannte ich definitiv, den es handelt sich bei dem Song um ein Duett mit Johnny Cash.

Pfuh, nachdem ich das Album das erste Mal komplett durch hatte war ich erhlich gesagt ein wenig verstört. ich wollte schräge Gitarren, ich wollte knackigen Rock, ich wollte die Abgedrehtheit von „Achtung Baby“. Nichts davon bekam ich. Und trotzdem habe ich mir das Album sofort wieder ein zweites, ein drittes und ein viertes Mal angehört. Ich habe die CD wirklich oft angehört. Keines der Lieder (okay, bis auf „The Wanderer“ hat mich alleine wirklich bewegt, hat mich so fasziniert, dass ich es für sich alleine angehört hätte. Aber das Album als Ganzes hat funktioniert. Ich konnte und kann bis heute das Album nicht in Teilen anhören, kann es nicht mitten drin beginnen. Es ist eines der Alben, die ich wirklich vom ersten bis zum letzten Lied durchhören muss. In einem Durchgang, ohne Pause. Dann funktioniert es, dann macht es „Click“ bei mir, dann geht der Schalter in mir auf „On“. Anders funktioniert es nicht. Und gerade deshalb ist „Zooropa“ auch mein absolute Lieblings-Album von U2 geworden. Weil es eben nur als Ganzes funktioniert, weil jeder Song mit den anderen verwoben ist, weil es eine Atmosphäre hat, eine Entwicklung macht, weil es irre dicht ist.

Mit der Anschaffung meines Plattenspielers war für mich recht schnell klar, dass ich mir dieses Album ganz schnell als Vinyl besorgen muss. Ich habe es dann auch recht rasch in Wien in einem Plattenladen entdeckt. Zugeschlagen, zu Hause aufgelegt. Und die Magie des Albums, das in einem durchgehört werden muss, bei dem die Reihenfolge eingehalten werden muss, die funktioniert immer noch. Eben „Vorsprung durch Technik“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

code