Austria Hardcore and Punk

In wohl jeder Plattensammlung gibt es immer so die eine oder andere etwas spezieller Scheibe. Entweder weil sie ein „guilty pleasure“ sind, oder weil sie eine besondere Erinnerung darstellen bzw. einfach weil sie besonders sind. Zu den „guilty pleasures“ werde ich noch einen eigenen Beitrag – naja wahrscheinlich sogar ein paar – machen, heute möchte ich eher die besonderen Scheiben hervorkramen. Ich habe endlich mal sowas wie Urlaub, und da hatte ich heute Zeit ein bisserl in meiner Sammlung durchzuschauen, und herumzukramen. Dabei sind mir ein paar 7″ wieder in den Schoß gefallen, die sehr besonders sind. Nicht nur für mich, denn es handelt sich bei allen 4 Vinyls um Zeitzeugen der Punk/Hardcore-Szene in den 90er in Österreich, in zwei Fällen sogar um Ausdruck einer ehemals sehr lebendigen Szene in Wels. Aber mal alles schön der Reihe nach.

Da wäre zum ersten einmal von den Bad Ischler Hardcore Heroen „Kurort“ die 7″ „Oslo„. Ich habe Kurort glaube ich 1994 das erste Mal bei einem dieser kleinen Cornär-Konzerte in Wels im Alten Schlachthof kennen gelernt. Sie haben damals mit Dharma Bums Insane gespielt. Das Konzert war insofern legendär, weil mir danach tagelang das „G´nack“ vom Headbangen weh tat, und ich beim Pogen und Stagediven einige blaue Flecken am ganzen Körper davon getragen habe. Aber an dem Abend habe ich mich in Kurort verliebt, und mir dann auch recht schnell die Stachanov gekauft. Später dann die Frost und die Miss Fitness USA auch noch. und dann habe ich eines Tages im Infoladen in Wels auch noch die 7″ Oslo entdeckt. Die hab ich danna cuh gleich gebaraucht. Ehrlich gesagt: oft angehört hab ich sie mir nicht, sie ist ganz gut, wie immer rumpelig und hart und ehrlich und erdig, aber ich liebe einfach die Stachanov so sehr…

Für mich immer noch die mit Abstand intensivste und beste Nummer von Kurort 🙂

Dann wäre als nächstes die Split 7″ von „Trümmer sind Steine der Hoffnung“ auf der einen und „Those who survived the plague“ auf der anderen Seite. Die einen absolute Hardcore/Punk-Heroen aus OÖ, die anderen absolute Hardcore/Punk-Heroen aus Wien. Beide sehr gut, sehr politisch, sehr hörenswert. Insbesondere die Seite der Trümmer habe ich mir oft angehört, handelt es sich doch mit dem Lied „rechts fon mir niemand“ um eine recht gute Abrechnung mit Jörg Haider und seiner rechtsextremen Politik der 90er. Auch hier war es so, dass ich beide Bands erst im Schlachthof kennen gelernt habe, in dem ich einfach plötzlich auf deren Konzerten war, und mich davon mitreissen hab lassen.

Zu guter Letzt dann noch die beiden oben erwähnten Platten, die Zeugnis von einer ehemals sehr aktiven Welser Hardcore-Szene ablegen. Zum einen die „Malignant Ulcer“ (auf SRA wird sie ohne Titel geführt) von „Flatline„, zum anderen die selbstbetitelte 7“ von „Nineday Wonder“. Beide Bands waren damals für mich eine echt interessante Erfahrung, man kannte die meisten der Mitglieder ganz gut, war immer wieder bei deren Konzerten, und da ging es dann schon ganz schön ab. Insbesondere das Moshen, Pogen und Stagediven (dort wo eine Bühne vorhanden war), sind schon recht lässige Erinnerungen. Ich habe bei ein paar Konzerten von beiden Bands fotografiert, ich glaube sogar dass bei einer der beiden Platten ein Photo von mir verwendet wurde. Jedenfalls weiss ich noch dass ich bei einem Auftritt (ich glaube in Grieskirchen im Rosstall) kurz bevor der Sänger von Flatline mit dem gestreckten Fuß in mich und meine Kamera reingesprungen ist bei der Kamera abgedrückt habe, und wir so ein sensationelles Bild von ihm im Flug gemacht haben. Die Kamera und ich haben es überlebt. Jedenfalls liebe ich diese beiden Platten. Sind gute Erinnerungen an damals, sind immer noch echt gut und hörenswert, und über die Jahre finde ich immer noch Kleinigkeiten beim Hören, die mir so davor nicht aufgefallen sind. Nur beim Autofahren höre ich es eher nicht mehr, weil doch ziemlich agressiv. Aber das ist eine andere Geschichte 🙂

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