Impfen

Heute (29.01.2022) hat die Bundesregierung eine Reihe von Maßnahmen für das aktuelle Pandemiemanagement angekündigt. Zentral: Lockerungen bei Sperrstunde, Handel und Gastro bzw. für den Sport und Veranstaltungen. Und das, obwohl GECKO gestern noch die Wichtigkeit der 2G-Regelungen attestiert hat. Wie geht das zusammen?

Zum einen muss wohl drauf hingewiesen werden, dass GECKO in seinem Bericht auch von möglichen kleineren Lockungsschritten spricht, die gangbar und vertretbar sind. Auch im Hinblick darauf, dass bis jetzt die Prognosen in den letzten Wochen immer recht sauber eingetroffen sind, und zum Teil die optimistischeren Prognosen eingetreten sind, und selten die pessimistischeren Annahmen. Zum anderen sehen wir an den Ländern, die bereits Wochen voraus sind im Pandemiemanagement, wie sich Omikron konkret auswirkt und auswirken kann. Wir sehen auch, dass wir in Österreich wohl nicht zuletzt auf Grund der international verglichen hohen Booster-Rate auch besser bei den Hospitalisierungen und intensivpflichtigen Verläufen aussteigen. Und wir sehen auch, dass die Belastungen in den Spitälern aus diesem Grund in einem besseren Rahmen sich abspielen, als befürchtet. Das war auch der Grund, warum der so genannte Lockdown für Ungeimpfte nicht mehr verlängert wurde. 

Auf der anderen Seite der Medaille haben wir immer noch täglich neue Infektionsrekorde, liegen immer noch tausende Menschen in den Spitälern und nicht ganz 200 auf der Intensiv. Und diejenigen in den Normalstationen sind nicht zu beneiden, denn ein symptomatischer Verlauf bei Omikron ist etwas anderes als der oft zitierte schwere Schnupfen, der als leichtfertiges Narrativ herumgeht, und den viele immer noch mit der aktuellen Welle gleichsetzen. 

Warum also lockern? Die Schritte, die heute verkündet wurden, sind eine Perspektive. Sie kommen nicht morgen oder übermorgen zum Tragen, sondern sind ein Ausblick, und bilden eine Kaskade. Zuerst wird in der Gastro die Sperrstunde verlängert, und die Gruppengrößen bei Veranstaltungen werden leicht erhöht. In beiden Settings bleibt 2G auch weiterhin fürs Erste aufrecht. Dann – eine Woche danach – kommt der Wechsel von 2G im Handel auf 3G. Die Masken bleiben natürlich, aber die Kontrollen fallen weg. Und dann nochmals eine Woche danach soll in der Gastro 3G statt 2G kommen. Der Zeithorizont dafür: die erste Maßnahme in einer Woche (also am 5. Februar), dann jeweils eine Woche danach. Es handelt sich also um Maßnahmen mit einer Perspektive. Was in der medialen Aufbereitung leider (wieder einmal nicht) rüberkommt: die jeweilige Kaskade kommt nur, wenn auch die Zahlen es hergeben, wenn die oben erwähnten Prognosen auch weiterhin ein- und zutreffen.

Aber Klimek und andere Expert*innen raten von zu frühen Lockerung ab. Ja, das stimmt, deshalb ist der zeitliche Rahmen, den ich im Absatz darüber skizziert habe, so wichtig. Würden wir von heute auf morgen öffnen und lockern, alles auf einmal machen, dann müsste man Klimek und Popper, und den anderen Expert*innen 100% Recht geben. So ist es sicher ein schmaler Grat, den wir betreten, aber er ist gangbar. 

Was auch dazu kommt: eine andere Maßnahme wurde nicht umgesetzt, nämlich eine Verlängerung der Immunisierungszertifikate um einige Tage oder Wochen. Hier ging es darum, dass im November angekündigt wurde, dass 2 Teilimpfungen ab Februar nicht mehr wie bisher 9 Monate, sondern nur noch 6 Monate einen Grünen Pass bringen. Die Begründung dafür liegt auf der Hand: die Boosterung ist ein zentraler Bestandteil der Impfstrategie, und ist gerade bei Omikron wichtiger denn je (siehe auch die Zeilen darüber über den vermeintlichen Schnupfen). Das war seit November am Tisch, wurde von Medien und Politik immer wieder gesagt und drauf hingewiesen. Gerade jetzt im Jänner wurde nochmals immer und immer wieder drauf hingewiesen. Knapp 300.000 Menschen verlieren mit 1. Februar aber ihren Immunitätsstatus im Grünen Pass. Hier wurde nicht dem Wunsch entsprochen zu verlängern, und das aus gutem Grund: die Boosterung ist zu wichtig, als da noch weiter herumzueiern. 

Und jetzt? Alles gut? Nein, sicher nicht, so selbstkritisch muss ich auch sein. Einen Aspekt haben wir hier noch nicht ausreichend beleuchtet. Was passiert, wenn das Ganze nicht so funktioniert, wenn die internationalen Beispiele das bleiben was sie sind, nämlich Beispiele wie es laufen kann, und eben keine Sicherheit. Und vor allem wie schaut es hinsichtlich Long Covid aus? Wenn 10% aller Infizierten Long Covid bekommen, dann ist das doch risikoreich hier so vorzugehen? Ja, definitiv ist das ein Risiko. Da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Umso wichtiger ist es auch mehr zu impfen, mehr Menschen davon zu überzeugen zur Impfung zu gehen. Geimpfte Personen kommen mit einer Infektion deutlich besser zu Rande, und es gibt auch Hinweise darauf, dass Long Covid in dieser Gruppe deutlich seltener ein Problem darstellt als beim Rest. Deshalb ist es auch so wichtig Kinder zu impfen. 

In Summe halte ich es hier mit dem Gesundheitsminister a.D. und seinem zum Kult gewordenen Spruch: „Die nächsten Wochen werden entscheidend sein.“. Hier gilt es umso mehr, sobald auch nur ein Schritt in die falsche Richtung zeigt oder die Zahlen es nicht hergeben weitere Maßnahmen zu setzen, dann müssen diese nicht nur ausgesetzt, sondern im schlimmsten Fall auch zurück genommen werden.

Was mir aber auch wichtig ist: nein, diese Lockerungsschritte sind kein Einknicken vor den Demonstrant*innen oder den Landeshauptleuten. Ich weiß, dass nicht wenige dieser Meinung sind, und ich habe heute auch mit einer Reihe von Menschen gesprochen, die als Geimpfte langsam aber sicher einfach keine Geduld mehr haben. Viele, die nicht mehr einsehen sich in Nachsicht und Toleranz für die kleine Gruppe an absoluten Verweigerer*innen zu üben. Ein guter Freund hat es heute recht schön auf den Punkt gebracht: „Ich fühle mich schlicht und einfach papierlt, wenn ungeimpfte Personen dann wieder in die Gastro gehen können. Mich wird die Gastro erst wieder sehen, wenn die Zahlen herunten sind.“. Auch das kann ich nachvollziehen, denn Impfen und Testen sind nicht ebenbürtig. Impfen senkt das Risiko sich schwer zu infizieren, auf der Intensiv bzw. im Spital zu landen. Testen sagt nur etwas über den Status zum Zeitpunkt der Probenentnahme aus. Was 10 oder 15 Minuten danach ist, ist schon wieder nicht Teil des Testergebnisses. Von daher verstehe ich die oben beschriebene Haltung. Dennoch werden wir nicht 2G auf immer und ewig umsetzen können, und müssen wir auch lockern und ansetzen, müssen wir Perspektiven bieten. Eine Perspektive aus meiner Sicht ist aber der 15. März. Ab diesem Tag wird die Impfung zu einem Kontrolldelikt, und ab diesem Tag wird auch kontrolliert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

code